UV-Anwendungen
Advanced Oxidation Prozess (AOP)
In der Leiterplattenfertigung werden in elektrolytischen (galvanischen) Verfahren saure Kupferelektrolyte zur Beschichtung verwendet, um nicht-leitende Bohrlochwände leitfähig zu machen und die nötige Kupferschichtstärke für Leiterbahnen aufzubauen.
Um die gewünschten leitfähigen Strukturen auf den Leiterplatten zu erzeugen existiert eine Vielzahl von Verfahrenstypen. Diese umfassen Standardverfahren wie z.B. Panel Plating (Vollverkupferung), Pattern Plating (Musterverkupferung) und Mischformen (Semi-Pattern-Plating). Für besonders anspruchsvolle Leiterplatten mit feinen Leiterbahnen (High-Density Interconnection, HDI) oder Mehrlagenplatine (Multilayer-Leiterplatte) existieren ebenso eine Reihe von wichtigen Kupferbeschichtungsverfahren wie z.B. Durchkontaktierung (Plating Through Hole - PTH), Sackloch-Füllen (Blind Via Filling), Durchgangsloch-Füllen (Through-Hole Filling), Konforme Beschichtung (Conformal Via Plating)
Je komplexer die Leiterplatte, desto extremer sind die physikalischen und geometrischen Anforderungen an die galvanische Kupferabscheidung. Eine mangelhafte Abscheidung führt hier sofort zu Signalverlusten, Überhitzung oder totalem Systemausfall. Dies gilt vor allem für Leiterplattentypen wie z.B. High-Layer-Count Multilayer (HLC), Any-Layer-HDI-Leiterplatten, IC-Substrate (Package Substrates), Starr-Flex-Leiterplatten (Rigid-Flex).
Bei den galvanischen Kupferprozessen in der Herstellung dieser Leiterplatten steuert man das Abscheideverhalten gezielt über die Elektrolytzusammensetzung (organische Additive) und die Stromform. Diese organische Additive spielen die entscheidende Rolle: Sie steuern das Abscheidungsverhalten des Kupfers auf atomarer Ebene. Ohne sie würde sich das Kupfer bevorzugt an Ecken und Kanten anlagern (wo die Stromdichte am höchsten ist) und Löcher oder Vias unvollständig beschichtet zurücklassen.
Für moderne Prozesse wie das Via Filling oder die HDI-Fertigung interagieren im Elektrolyten im Wesentlichen drei organische Additive, die sich gegenseitig regulieren:
Während der Verkupferung im galvanischen Bad entstehen durch die elektro-chemische Oxidation und Reduktion dieser Additive vor allem beim Pulsplattieren (Pulse Plating) eine Vielzahl von organischen Substanzen, die teilweise erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Diese Nebenwirkungen führen dazu, dass die Leistungsfähigkeit des Kupferelektrolyten nachlässt und vermehrt Beschichtungsfehler auftreten.
Als effektivste Methode zur Entfernung der durch die Zersetzung von Additivsystemen entstehenden organischen Störstoffe bietet enviolet seine seit Jahrzehnten in diesem Bereich bewährten Systeme zur UV-Oxidation an.
Dabei werden die organischen Verbindungen im galvanischen Elektrolyten durch den enviolet-Prozess abgebaut und weitgehend mineralisiert. Nach der UV-Behandlung und dem entsprechenden Nachschärfen steht wieder ein Elektrolyt mit Eigenschaften eines Neuansatz zur Verfügung. So können saure Kupferelektrolyte kontinuierlich auf einem hohen Produktions- und Qualitätsniveau gehalten werden.
Die UV-AOP-Technologie ist grundsätzlich auf sämtliche sauren Kupferelektrolyte in der Leiterplattenfertigung anwendbar, das sie auf dem universellen Mechanismus der UV-Oxidation basiert.
Herkömmlicherweise wird der Anstieg organischer Abbauprodukte durch verstärktes Spülen, regelmäßige Aktivkohlebehandlung und letztlich durch einen Badverwurf mit anschließendem Neuansatz kompensiert. Dies führt zu höheren Abwassermengen, Kosten für die Entsorgung beladener Aktivkohle sowie erheblichen Kosten für den Neuansatz des Elektrolyten. Im Vergleich zur konventionellen Elektrolytpflege mit Aktivkohle bietet die UV-Oxidation insbesondere eine hohe Reproduzierbarkeit der Behandlung, eine nachhaltige Entfernung der organischen Störstoffe und die Möglichkeit einer kontinuierlichen Badpflege. Darüber hinaus lässt sich die UV-Oxidation weitgehend automatisieren und stellt insbesondere im Vergleich zur Aktivkohlebehandlung eine deutliche Entlastung des Bedienpersonals dar.
Durch die UV-Oxidation kann der Elektrolyt hingegen nach Einstellung der relevanten organischen Leitparameter wieder in das Produktionsbad zurückgeführt werden.
Diese kontinuierliche Verjüngung des Elektrolyten trägt zu einer konstant hohen Badqualität und reproduzierbaren Beschichtungsergebnissen und ermöglicht eine theoretisch unbegrenzte Lebensdauer des Elektrolyten (siehe auch A Method towards Infinite Bath Life for Acid Copper Electrolytes by Atotech), die praktisch nur durch die Verschleppung (Drag-Out) des Elektrolyten begrenzt ist.
Multek Böblingen war einer der ersten Anwender und Vorreiter bei der industriellen Nutzung der UV-Oxidation zur Pflege saurer Kupferelektrolyte. Bereits 2003 wurde das Verfahren erfolgreich eingeführt und im Produktionsbetrieb eingesetzt.
Auch mehrfach behandelte Elektrolyte konnten dabei eine Mikroverteilung auf dem Niveau eines Neuansatzes erreichen. Mit der Einführung der UV-Oxidation schuf Multek damit frühzeitig die Voraussetzungen für eine konstante, hochwertige und zugleich umweltverträgliche Produktion.
Neben der Sicherung der Prozess- und Produktqualität konnten dabei auch Betriebskosten reduziert und die Anforderungen an moderne Produktionstechnologien und Nachhaltigkeit unterstützt werden.
Eine detaillierte Fallstudie zu diesem Projekt finden Sie hier.
Nach ausführlichen Laborversuchen und der ersten Anlagenbeschaffung im Jahr 2019 wurden nach und nach sämtliche Plating-Linien der Lincstech Circuit Singapore Pte Ltd mit enviolet-Systemen zum Recycling und zur Pflege der Kupferelektrolyte ausgestattet.
Lincstech produziert unter anderem:
Insgesamt werden über 100.000 Liter Kupferelektrolyt für die Impulsbeschichtung im Standort Singapur kontinuierlich innerhalb der erforderlichen Spezifikationen gehalten. Dafür sind drei separate, skid-mounted UV-Oxidationsanlagen für an unterschiedlichen Plating-Linien im Einsatz.
Je nach Zusammensetzung des behandelten Elektrolyten wird pro UV-Oxidationszyklus eine TOC-Reduktion von 80–90 % erreicht. Die Anlagen arbeiten PLC-gesteuert im Feed-and-Bleed-Betrieb, wodurch eine kontinuierliche Pflege und kontrollierte Erneuerung des Elektrolyten in den Plating-Linien ermöglicht wird.
Kupferbadrecycling bezeichnet die Aufbereitung und Regeneration eines gebrauchten Kupferelektrolyten durch UV-Oxidation, sodass dieser weiter für die galvanische Kupferabscheidung verwendet werden kann. Bei der Leiterplattenfertigung betrifft dies insbesondere saure Kupferelektrolyte, beispielsweise aus Puls-Plating-Prozessen. Ziel ist es, die Lebensdauer des Bades zu maximieren und die erforderliche Badqualität durch die enviolet Technologie möglichst konstant hoch zu halten.
Das Cu-Badrecycling ist insbesondere für das Pulsplating geeignet. Beim Pulsplating führen die starken Rampen des Pulse-Plating dazu, dass die Badorganik stärker beansprucht wird und sich schneller unerwünschte Nebeprodukte bilden die den Plating-Prozess negativ stören. Pulselektrolyte müsse daher öfter und stärker aufgereinigt werden.
Während des galvanischen Prozesses entstehen durch den Abbau des Additivsystems organische Störstoffe, die die Abscheideleistung des Elektrolyten zunehmend beeinträchtigen können. Mit steigender Konzentration wirken sie sich negativ auf die Qualität der Kupferabscheidung aus und den Elektrolyt letztendlich unbrauchbar macht. enviolet bietet hierfür UV-Oxidationssysteme zur kontinuierlichen Elektrolytpflege. Die störenden organischen Verbindungen werden gezielt abgebaut, wodurch der Elektrolyt regeneriert und seine hohe Leistungsfähigkeit und Qualität langfristig erhalten werden.
Das Verfahren richtet sich insbesondere an Unternehmen der Leiterplattenproduktion und Oberflächentechnik, bei denen saure Kupferelektrolyte für die Produktion von sehr hochwertigen und anspruchsvollen Produkten eingesetzt werden.
Durch UV-Oxidation lässt sich Störorganik, messbar z.B. als TOC (Total Organic Carbon), effizient aus Kupferelektrolyten entfernen. Dabei werden die organischen Verbindungen im galvanischen Elektrolyten durch die UV-Oxidation von enviolet abgebaut und weitgehend mineralisiert. Das Resultat ist ein recycelter Elektrolyt der nach einer Neu-Einstellung der Parameter (Chemical Make-Up) wieder die Abscheideleistung eines neuen Elektrolyten bietet.
Enviolet setzt hierfür eine UV-basierte Advanced Oxidation Process (AOP) ein. Dabei wird der Kupferelektrolyt mit UV-Licht behandelt. Die UV-Oxidation baut die unerwünschte organische Belastung ab. Die UV-Oxidation baut die unerwünschte organische Belastung ab, während der eigentliche Kupferelektrolyt weiter genutzt werden kann. Auf diese Weise wird nicht das Kupfer aus dem Bad entfernt, sondern vor allem die störende organische Begleitfracht reduziert.
Gegenüber der klassischen Behandlung mit Aktivkohle bietet die UV-Oxidation wesentliche Vorteile: Sie ermöglicht eine deutlich längere, theoretisch unbegrenzte Badlebensdauer und minimiert dadurch Badverwurf und eliminiert den Bedarf an kompletten Neuansätzen. Gleichzeitig sorgt sie für ein reproduzierbares Behandlungsergebnis, geringere Betriebskosten und einen hohen Automatisierungsgrad bei reduziertem Bedienaufwand. Da keine organisch belasteten Sekundärabfälle wie beladene Aktivkohle entstehen, ist das Verfahren zudem ressourcenschonender und nachhaltiger. So kann eine konstant hohe Elektrolytqualität bei gleichzeitig reduzierten Kosten und Umweltbelastungen erreicht werden.
Die UV-Oxidation kann als kontinuierliche Badpflege eingesetzt werden. Das belastete Elektrolyt wird dem Aufbereitungsprozess zugeführt, dort UV-oxidativ behandelt und anschließend wieder dem Produktionsprozess zur Verfügung gestellt.
Besonders interessant ist es dort, wo Kupferbäder kontinuierlich oder intensiv bei hohen Qialitätsansprüchen und komplexen Anwendungen betrieben werden und sich organische Abbauprodukte mit der Zeit anreichern. Das gilt beispielsweise für anspruchsvolle Puls-Kupferprozesse in der Leiterplattenfertigung. Je höher der Verbrauch bzw. die Belastung des Bades, desto größer kann das Potenzial einer kontinuierlichen Badpflege durch UV-Oxidation sein.
Cu-Bad-Recykling wird von Herstellern von hochwertigen Komponenten, wie z.B. hochlagigen Leiterplatten eingesetzt, bei denen das Pulsplating eine technisch perfekte Kupferschicht auch an stellen liefern muss, die mit einem Bad, das sehr stark streut möglich sind, wie z.B. bei Via-Fillung oder Through-Hole-Plating (THP).
Enviolet liefert Anlagen zum Badrecycling und die meisten Hersteller von hochwertigen Leiterplatten haben bereits Anlagen von enviolet im Einsatz.
Prinzipiell kann jeder Cu-Elektrolyt recycelt werden. In der Praxis lohnen sich Anlagen ab einem Elektrolytvolumen von ca. 10 m³. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt und einige Kunden der enviolet setzten das Bad-Recycling in Form des Feed-and-bleed- Prozess bei Bäden mit bis zu 400 m³ Elektrolytvolumen ein. Dabei sorgt das Badrecycling dann für eine konstant gleichbleibende hohe Qualität.